Salone del Gusto, Terra Madre und Weltkongress von Slow Food vom 25. bis 29. Oktober 2012 in Turin – ein Rückblick

Es waren für die rund 650 Delegierten aus 95 Ländern unvergessliche drei Tage mit einem Marathon von 90 Rednerinnen und Rednern aus 50 Ländern. Eindrücklich waren die enorme kulturelle Vielfalt, aber auch das Verbindende dieser universellen Bewegung, die sich an alle Erdenbürgerinnen und -bürger richtet, die an einer guten, sauberen und fairen Ernährung interessiert sind.

Konferenz Salone del gusto 2012

Konferenz am Salone del gusto 2012

Der Weltkongress war ein wichtiger Anlass für die Zukunft von Slow Food. Der rasanten Entwicklung der letzten Jahre wurde mit einer tiefgreifenden Anpassung der Vereinsstatuten und der Führungsorgane Rechnung getragen. Künftig wird das sechsköpfige Exekutivkomitee die strategischen und politischen Beschlüsse des internationalen Rates umzusetzen haben. Dessen 45 Mitglieder stammen aus 30 Ländern. «Wir müssen möglichst die gesamte Breite der Bewegung darin vertreten haben», sagte dazu Petrini, «nicht nur die Convivien, sondern auch die weltweiten Projekte und Aktivitäten». Klar war für ihn auch, dass sich Slow Food ständig weiterentwickeln muss, um auf den steten gesellschaftlichen und politischen Wandel reagieren zu können. Eine besondere Herausforderung werde sein, China mit seinen zwei Milliarden Einwohnern in die Bewegung einzubinden. Die Biodiversität weltweit zu erhalten, werde das Kernanliegen von Slow Food bleiben. Dazu müssen die gefährdeten Produkte mit Projekten wie die Arche des Geschmacks unermüdlich katalogisiert werden. Petrini: «Wenn wir nicht wissen, was wir erhalten sollen, dann werden wir auch nicht verhindern können, dass es verschwindet».

Parallel zum Slow Food-Weltkongress fand ebenfalls im Messegelände Lingotto der Salone del Gusto zum 9. Mal statt. Und auch hier gab es eine interessante Neuerung: Die Foodmesse Salone del Gusto wurde mit dem Terra Madre-Anlass zusammengelegt. Unter dem Motto «Foods that change the world» wollte Slow Food damit den weltgrössten Anlass zum Thema Ernährung schaffen. Und es war in der Tat ein gewaltiger Anlass mit unzähligen Produzenten von überraschenden Produkten, Köchinnen als kulinarische Botschafterinnen ihrer Länder, Laboratori del gusto zur Geschmacksschulung und Produktepräsentation sowie Presidi aus der ganzen Welt. Es war ein Anlass, der den gastronomischen Genuss mit der Verantwortung gegenüber den Produkten, Produzenten und natürlichen Lebensgrundlagen vereinte. Er bot den Messebesuchern auch die Möglichkeit, persönliche Kontakte zu den Menschen aus der ganzen Welt zu knüpfen, welche die Nahrungsmittel anbauen, verarbeiten und vertreiben.

Auf dieser spannenden Reise durch die gastronomische Welt bot sich auch die Gelegenheit, unzählige Kolloquien und Laboratori del gusto zu besuchen. Dabei ging es nicht nur darum, den Geschmack zu schulen sowie Produkte und Gerichte aus der ganzen Welt kennen zu lernen. Es wurden auch brisante Themen diskutiert, die im Zusammenhang mit der Produktion und dem Konsum unserer Nahrung stehen. So etwa das weltweite Problem der Bauern, die keine Nachfolger haben. Oder die Rolle der Kleinproduzenten in einem globalisierten und industrialisierten Lebensmittelmarkt. Oder wie das Saatgutmonopol der Multis ausgehebelt werden könnte. Oder wie der Marktzugang für Hirten und Fischer verbessert und die Bindung zwischen Produzenten und Konsumenten verstärkt werden könnte.

Ein besonderer Höhepunkt aus Berner Sicht war das Laboratorio del Gusto von Raphael Pfarrer und Dominik Flammer zum  Thema «mit Harz und Rauch gereifte Schweizer Käse». Begleitet wurden die Käse von einer Auswahl von Schweizer Weinen, darunter der beim internationalen Publikum auf grosses Interesse  gestossene Freibourg (Freisamer) unseres Vorstandsmitglieds Franziska Chervet von der Domaine Jean-Daniel & Franziska Chervet in Praz.

Es waren spannende, anregende, aber auch anstrengende Tage, die wir als Delegierte von Slow Food Bern in Turin verbrachten. Gross war das Angebot, beschränkt die Zeit. Es hat sich trotzdem gelohnt!