Nachlese: MEET ROOTS and MEAT

Wo Genusskultur draufsteht ist es ein Leichtes, bei der einen oder anderen Veranstaltung auf Slow Food oder Amici Slow Food Bern zu treffen. So auch bei einer der ersten Veranstaltungen, mit denen die Kulinata letztes Wochenende gestartet ist:

MEET ROOTS and MEAT, vom Kollektiv Farm to Table initiiert, versammelte am 9. September 2018 einen bunten Mix von Menschen zwischen Apfelbäumen und neugierigen Galloway-Rindern an einer wunderschönen grossen Tafel auf Kobel’s Hof in Rubigen. Allen gemein war die Liebe zu gutem Essen, der Natur und der Freude am gemeinsamen Entdecken und Erleben.

Vor allem der Hauptinitiator Lukas Bühlmann erkennt Menschen, deren Herzen im gleichen Takt zu schlagen scheinen, jeweils sofort (mehr unter www.craftedatseven.ch). So brachte er Dave Wälti und Jonathan Kobel zusammen und musste sie nicht lange von seinem Vorhaben überzeugen.

Kobel’s zählen mit ihren knuffigen Galloway-Rindern schon über ein Jahr zu den Amici von Slow Food Bern. Wenn man dem Hof in Rubigen einen Besuch abstattet, bedarf es den Worten gar nicht vieler, um die Philosophie von Slow Food zu erklären. Die Mutterkuhherde verbringt Sommer wie Winter auf den Weiden oder im offenen Freilaufstall. Zu fressen gibt’s die Vielfalt an Gräsern und Kräutern, die der Boden hergibt. Gerne essen sie auch mal jenseits des Rubiger Tellerrandes auf fremden Wiesen und helfen mit dieser schonenden und gezielten Beweidung mit, den Lebensraum einer Vielzahl von Pflanzenarten, Insekten und Kleintieren zu erhalten. Sie leisten somit einen aktiven Beitrag an der Pflege der Naturschutzgebiete.

Bis zu dreimal jährlich weiden die Kühe im Naturschutzgebiet Rüfenachtmoos. Hier kommt der Grosse Vorteil der Galloway-Rasse zu tragen. Bedingt durch ihre schottische Herkunft mit rauhem Klima und kargen Böden sind sie bestens geeignet für extensives Weideland. So fressen sie im Moos die unbeliebten Neophyten und müssen nicht zugefüttert werden.

Die Einstreu gewinnt Jonathan Kobel  durch das Mähen von Schilf im Rahmen der von ihm,  im Auftrag des Kantons, verrichteten Pflege der Kleinhöchstätten Au.

Die Balance halten zwischen Geben und Nehmen. Das war auch an diesem Abend besonders gut spürbar. Ob es am Setting inmitten der Natur lag oder an der Tatsache, dass Dave Wälti das ganze Menu  naturnah über offenem Feuer oder in der Erde vergraben 😉 zubereitete? Oder daran, dass die «Küchencrew» nicht aus Kochprofis bestand, sondern aus Menschen, inzwischen Freunden, die sich über die gemeinsame Leidenschaft gefunden haben und somit eine unermüdliche Motivation entwickelten?

Ein Blick auf die Tafel der Herkunftsinformationen zu den verschiedenen Produkten liess erkennen, dass eine grosse Wertschätzung der ganzen Wertschöpfungskette entlang entgegengebracht wird. Das meiste stammte direkt vom Hof oder aus unmittelbarer Umgebung. Den längsten Weg hatte wohl das Gemüse hinter sich, welches von der Familie Moser aus Worb und vom Brunner Eichhof aus Aarberg stammte. Selbst eine Fischrillette wurde aus Egli und Hecht zubereitet, die tags zuvor eigens aus der 400 Meter entfernten Giesse gefischt wurden,  in der Kobels durch Bewirtschaftung das Fischrecht besitzen.

Dass das GUTE wirklich nahe liegt, hat der Geschmack wiedermal eindrücklich bewiesen. Essen gemeinsam zu geniessen, mit Geduld bei der Zubereitung mitzuhelfen, wie etwa bei den Würstchen, welche auf dem «Blumentopfgrill» langsam vor sich hin rösteten, oder auch die weniger gefragten Delikatessen des Tieres zu verwerten. Dies alles ist Teil der Slow-Food-Philosophie.

Die schmackhaften, grillierten Herzspiesschen, welche zum Apèro gereicht wurden, der wunderbare Weizenporridge, der den herkömmlichen Risotto mehr als ersetzte oder die zwei Gänge, welche gänzlich ohne Fleisch auskamen und denen es an nichts fehlte, sind alle ein gutes Zeichen dafür, dass es sich auch für uns Menschen lohnt, mal über den Tellerrand hinaus zu denken und unsere alltäglichen Gewohnheiten zu hinterfragen. Nicht, um die neuste Innovation der Lebensmittelindustrie zu entdecken, sondern viel mehr um sich ein wenig zurückzubesinnen und sich wieder bewusst zu werden, was Genuss eigentlich heisst und dass dieser nicht erst auf dem Teller anfängt.

Und zu guter Letzt möchte ich es nicht lassen zu erwähnen, mit welchem Gang dieser magische Abend seinen Abschluss fand. Kommt doch gerade hier SLOW Food im wahrsten Sinne des Wortes zum Zug: Ein bewährtes Dessert mit Brätzeli und warmen Beeren. Nur, haben Sie schon mal für 40 Leute Brätzeli auf offenem Feuer zubereitet? 😉 Zeit, Musse, Leidenschaft und Wertschätzung. Ein unschlagbares Quartett…….

Und als man sich nach einem langen Abend, an dem gelacht und aus gemeinsamen Schüsseln geschöpft  und genossen wurde, wieder aufmachte, hatte man das Gefühl, einen Tisch voller Freunde zu verlassen.

Essen ist mehr als blosse Nahrungsbeschaffung und Aufnahme. Sie haben noch eine Woche Zeit, sich selber davon zu überzeugen.